Umweltbewusste Mode – Herstellungsprozesse für einen respektvollen Umgang mit der Natur

Das Label Green Cotton setzt auf nachhaltig angebaute Baumwolle. Foto: Commons.wikimedia.org © Calsidyrose (CC BY 2.0) Das Label Green Cotton setzt auf nachhaltig angebaute Baumwolle. Foto: Commons.wikimedia.org © Calsidyrose (CC BY 2.0)

Lange Zeit fristete fair gehandelte und produzierte Mode ein vorurteilbehaftetes Dasein, ebenso wie viele andere Bio-Produkte: Sie sind teuer, keineswegs überall erhältlich und haben stets einen gewissen „Öko“-Look an sich. Diese Vorurteile lassen sich in der Regel jedoch leicht entkräften. Denn zwar kostet Bio-Mode mehr als Textilien aus dem Discounter, im Vergleich zu anderen namhaften Marken muss es preislich jedoch nicht unbedingt einen starken Unterschied geben. Gerade in Großstädten ist das Angebot mittlerweile außerdem relativ umfangreich, aber auch in kleineren Städten können sich Interessenten über ein stetig wachsendes Sortiment freuen – ohnehin gibt es die besten Angebote wie auch bei kommerzieller Mode aber meist online, sodass heutzutage eigentlich jeder mit einem Internetzugang auf eine große Auswahl zurückgreifen kann. Und auch bezüglich des typischen „Öko“-Looks kann aufgeatmet werden, denn Bio-Mode hat längst nichts mehr mit klischeehaften Batikdrucken zu tun, sondern kommt mindestens genauso modern daher wie „normale“ Marken. 

Auch der Hersteller Peter Hahn sowie viele weitere Anbieter greifen dieses Motto bei ihren Kollektionen auf und legen viel Wert auf umweltschonend hergestellte Textilien, die nichts desto trotz in einem zeitlosen Design erstrahlen. Aus diesem Grund entstand das Label Green Cotton, welches auf nachhaltig angebaute Baumwolle setzt. Um die Umwelt dabei so wenig wie möglich zu belasten, wird auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichtet, ebenso verwendet der dänische Modehersteller außerdem keine schwermetallhaltigen Farben bei der Weiterverarbeitung, vermeidet chemische Reinigungsmittel und nutzt auch sonst keine Produkte, die für den Menschen möglicherweise gesundheitsgefährdend sein könnten. 

Zum Video: Green Cotton - von der Herstellung zur Produktion 

Die Rohstoffe

Für umweltfreundliche und ressourcenschonende Kleidungsstücke wird vor allem gerne Bio-Baumwolle genutzt. Allerdings hat der Rohstoff auch trotz des kontrolliert biologischen Anbaus einen Nachteil: Der Wasserverbrauch ist sehr hoch, zusätzlich benötigen die langen Transportwege viel Energie. Weitere gerne genutzte Rohstoffe sind außerdem:

  • Hanf
  • Leinen
  • Jute
  • Brennnessel
  • Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung
  • Leder (dieses Material wird jedoch häufig als bedenklich eingestuft, einerseits aufgrund der konventionellen Herstellung, andererseits auch aufgrund der Tatsache, dass Leder von bedrohten Tierarten hergestellt werden kann)
  • Auch Kunstfasern können aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden.


Die Verarbeitung

Die Produktion von Textilien beruht auf mechanischen Prozessen, wobei die genutzten Fasern in unterschiedlichen Mischverhältnissen zu Garn versponnen werden, aus denen wiederum Flächen gewebt werden. In der Regel kommen bei der Reinigung der Rohfasern viele Chemikalien zum Einsatz, zudem kann der Faserstaub die Gesundheit der Arbeiter schädigen. Die EU hat zu diesem Zweck die IVU-Richtlinie (genauere Details sind hier nachlesbar) aufgestellt, die Richtlinien an die Textilindustrie richtet, welches die Emissionen in Luft, Wasser und Boden regeln. Nicht alle Länder gehen diesen Richtlinien in gleichem Maße nach, generell kann aber gesagt werden, dass das europäische Niveau hier weitaus höher liegt, als beispielsweise in anderen Teilen der Welt wie Indien und China.

Die Veredelung

Während es bezüglich der Rohstoffe noch verhältnismäßig einfach ist, sich als Verbraucher zu informieren, so gilt dies nicht für die weiteren Schritte der Verarbeitung. Denn nur weil auf einem Siegel mit 100% Biobaumwolle geworben wird, kann diese mitunter dennoch während der Weiterverarbeitung mit umweltschädlichen oder reizenden Stoffen behandelt worden sein. Darunter zu verstehen, sind im Detail chemische wie auch mechanische Veredelungsmaßnahmen, die den Textilien verschiedene positive Eigenschaften verleihen – darunter fallen beispielsweise Fusselfreiheit, besonders pflegeleichte Stoffe oder eine schmutzabweisende Verarbeitung. Auch bei synthetischen Farben – welche heutzutage meist in der Mode Verwendung finden – ist für den Verbraucher nicht ersichtlich, um was es sich genau handelt, denn hier besteht keine Kennzeichnungspflicht. Nur, wenn auch diese und weitere Aspekte bei der Herstellung Beachtung finden, kann wirklich die Rede von Bio-Mode sein.

Fair-Trade – was steckt dahinter?

Geht es um Nachhaltigkeit und die Bio-Branche, so wird im selben Atemzug meist auch der Begriff Fair-Trade genutzt. Hierbei handelt es sich um eine Alternative zum konventionellen Handel, bei der ein fairer Handel den Anstoß für einen verantwortungsvollen Konsum geben soll. Kleinbauern sollen demnach eine angemessene Vergütung für ihre Arbeit erhalten.

„Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.“ Artikel 23 der Menschenrechtserklärung

Seine Anfänge nahm Fair-Trade in Europa mit dem Kaffee, einem der wohl beliebtesten Heißgetränke überhaupt. Weltweit gilt Kaffee als das zweitwichtigste Importgut nach Erdöl, jedoch wird er in den „Dritte-Welt-Ländern“ lediglich für einen Hungerlohn produziert. Mit dem Grundgedanken, diese Ungerechtigkeit zu bekämpfen, wurde im Jahr 1967 die holländische Stiftung SOS Wereldhandel gegründet, um Produkte aus Entwicklungsländern zu fairen Preisen zu vertreiben. Mittlerweile sind aus dieser Bewegung allein 800 Weltläden in Deutschland entstanden.

Fair-Trade-Bedingungen

  • Importeure arbeiten vorwiegend mit demokratisch organisierten Kleinbauern-Kooperativen
  • Langfristige und transparente Handelsbeziehungen
  • Kleinbauern haben die Möglichkeit, eine Vorfinanzierung zu beantragen, um sich nicht auf Kredithaie einlassen zu müssen
  • Vorgegebene Mindestpreise, hinzu kommen außerdem fixe Fair-Trade-Prämien für soziale Projekte
  • Mindestabnahmemengen für einige Produkte
  • Soziale Mindeststandards müssen eingehalten werden: Dazu zählen unter anderem ein Verbot von Diskriminierung und Kinderarbeit, Absicherung im Krankheitsfall und Gewerkschaftsfreiheit.
  • Ökologische Mindeststandards müssen eingehalten werden: Der Einsatz von Gentechnik ist verboten und der Anbau muss möglichst ressourcenschonend und umweltverträglich sein.

Bisher ist der Begriff Fair-Trade allerdings noch nicht rechtlich geschützt, sodass es zum Teil sehr unterschiedliche Vergabekriterien bei den jeweiligen Siegeln gibt. Unter anderem steht beispielsweise die Rainforest Alliance immer wieder in der Kritik, lediglich eine Lightversion von Fair-Trade zu bieten, da die Organisation sich vornehmlich für die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft, nicht jedoch für eine soziale Verantwortung gegenüber den Unternehmern in gleichem Maße einsetzt.

 

Letzte Änderung amFreitag, 05 September 2014 12:55

Kommentare   

0 #1 Dr. Matias Langer 2014-09-10 14:41
Hallo!

Ihr habt die wunderbarste Textilfaser vergessen: SEIDE! Bei Seidentraum gibt es Bioseide (organic silk), Ahimsa-Seide (non-violent silk) und auch FairTrade-Seide nstoffe aus Kambodschau.Ich freue mich auf euren Besuch im Shop www.seidentraum.eu !

Liebe Grüße aus Leipzig

Matias
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