Abriss Haschahof – Wohnfonds Wien vernichtet ein Stück Stadtgeschichte – Ein Hilferuf!

Abriss Haschahof – Wohnfonds Wien vernichtet ein Stück Stadtgeschichte – Ein Hilferuf!

Das Jahr beginnt schlecht: Der Haschahof, ein historisch einzigartiges Dokument für die landwirtschaftliche Nutzung in Wien, soll abgerissen werden.

Bitte bitte helft mit, das zu verhindern!
Verbreitet diesen Text, verfasst eigene Aufrufe, sprecht und mailt mit Medienleuten, Nachbar_innen, Politiker_innen, Architekt_innen, Gärtner_innen, Stadthistoriker_innen… Unterzeichnet die Bodenschutz-Petition… Protestiert vor dem Büro des Stadtrats… Blockiert die Abbruch-Bagger!

Hier gehts zur Petition: www.openpetition.eu/at/petition/online/bodenschutz-fuer-wien
Hier zur Bürger_innen-Initiative: www.facebook.com/Rothneusiedl/
Und hier geht es zu Video von Ulli Gladik: www.youtube.com/watch?v=soe7L4k0rSA

Ein Jahr lang stand der schöne Gründerzeit-Hof am südlichen Grüngürtel der Stadt leer. Nicht ganz. Ende November 2015 informierte mich ein wohnungsloser junger Mann, der sich dort einquartiert hatte, von seinem Rauswurf. Die Begründung, die man ihm nannte: Abriss. Ein Anruf bei der Bauinspektion bestätigte es: Seit 30. November gibt es für das schützenswerte Ensemble von zehn Gebäuden in der Rosiwalgasse 39 – 43 eine Abrissbewilligung. Beantragt vom neuen Besitzer, dem Wohnfonds Wien. Seit 11. Jänner 2016 hängt das Transparent der Abbruchfirma Mayer&Co auf einem Absperrgitter.

Ohne öffentliche Diskussion, und sogar ohne interne Diskussion will hier Stadtrat Ludwig, der Präsident des Wohnfonds, ein Stück Stadtgeschichte vernichten. Nicht einmal seine Parteikolleg_innen in Favoriten wussten Bescheid. Will er für die Investoren eines neuen Stadtteils jenen Zustand herstellen, der ihnen am liebsten ist: eine völlig bestandlose, gesichtslose Fläche? Ein Fläche mit Reißbrett-Flair? Oder will er vor allem den emotionalen Bezug zerstören, den Tausende Menschen in Wien zu diesem Hof und seinen Feldern haben, da hier von 1987 bis 2014, also beinahe drei Jahrzehnte lang, das größte Selbsternte-Projekt Wiens betrieben wurde? (Ich habe meine Fragen an das Büro Ludwig gestellt und wurde um etwas Geduld gebeten. Diese Geduld kann sich die Öffentlichkeit nicht leisten, wenn sie verhindern will, dass hier eine nicht wieder gutzumachende Dummheit geschieht. Ich werde über die Antworten gerne informieren. Auch über die Antworten aus dem Büro Vassilakou, so welche kommen sollten.)

Schon das Ende des Selbsternteprojekts am Haschahof Anfang 2015 kam überraschend. „Dieses Jahr nicht“ lautete die lakonische Auskunft. Die wahren Hintergründe wurden verschwiegen, waren aber zu erahnen: Stadterweiterung. Das wurde in Rothneusiedl schon einmal gespielt, als die Stadt hier 2006 mit dem Großinvestor Frank Stronach einen häßlichen Mix aus Fussball-Konzert-Pferdeshow-Stadion, Mega-Einkaufscenter und Wohnungen verwirklichen wollte. Nach ersten Verzögerungen bei den Grundstückskäufen durch die Stadt, ließ der seltsame Milliardär (der seine Eindimensionalität als Geradlinigkeit verkaufte) das Projekt wieder fallen, Magna International Services GmbH behielt aber seine Option auf das Gebiet bis zum 31.12.2015.

Auch der Widerstand in der Bevölkerung, vorneweg der Bürgerinitiative „Stopp MegaCity Rothneusiedl“, hatte seinen Anteil am Ende dieses Stadterweiterungsprojekts. Als nun durch das Ende des Haschahofs der Beginn des nächsten eingeläutet wurde, gingen Bettina Fabian und ich mit einer Bodenschutz-Petition an die Öffentlichkeit, um darauf aufmerksam zu machen, dass es angesichts des dringlich werdenden Bodenschutzes und Klimaschutzes und Nahversorgungsbedarfs unverantwortlich ist, die Stadterweiterung auf den Ackerböden fortzusetzen. Wir dachten, unsere Petition könnte Teil einer fruchtbaren Diskussion über die Zukunft Wiens sein, aber anscheinend haben wir es mit einer Stadtregierung zu tun, die Gespräche im Keim erstickt. Einer Stadtregierung, die das Gegenteil von dem tut, was sie verspricht. Einer Stadtregierung, die hinter den schönen Sätzen ihrer neuen Koalitionsvereinbarung (Bekenntnissen zu Klimaschutz, Bürger_innenBeteiligung und Transparenz) die Bagger auffahren lässt.

Es braucht also die Öffentlichkeit. Es braucht eine breit aufgestellte Bürger_innen-Bewegung, die der Wiener Koalition hilft, die hehren Ziele von Rot-Grün 2 auch ernst zu nehmen und zu verwirklichen.

Doch bevor wir diese RGH (Rot-Grüne-Hilfe) gründen, müssen wir schnell den Abriss des Haschahofs verhindern. Der Haschahhof ist für Wien von ähnlicher Bedeutung wie der Wasserturm, die Ankerbrotfabrik, die Gasometer… Und wie auch immer die Zukunft von Rothneusiedl aussehen sollte: ob als Wald- und Wiesengürtel (wie schon in den 1970er Jahren geplant), ob als neuer Stadtteil mit viel oder wenig Stadtlandwirtschaft, der Abriss des Haschahofs, die Zerstörung dieses einzigen und einzigartigen Bezugs zur Stadtgeschichte in diesem Areal, wäre in jedem Fall eine unverzeihliche Dummheit.

Text: Peter A. Krobath, Fotos: Stadtfrucht Wien

Quelle:
stadtfruchtwien.wordpress.com

Letzte Änderung amDienstag, 26 Januar 2016 12:52

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